Wenn der Nachfolger nicht nur der Sohn ist
- Markus Knauth

- 14. Juni
- 2 Min. Lesezeit
Warum Unternehmensnachfolge oft weniger ein wirtschaftliches als ein persönliches Thema ist
Viele Unternehmer glauben, die größte Herausforderung einer Unternehmens-nachfolge liege in Steuern, Verträgen oder der Unternehmensbewertung.
In meiner Arbeit erlebe ich jedoch immer wieder etwas anderes: Die schwierigsten Hürden entstehen häufig zwischen Vater und Sohn. Denn dort, wo über Jahrzehnte ein Unternehmen aufgebaut wurde, geht es selten nur um Zahlen.
Es geht um Anerkennung, Stolz, Kontrolle, Loslassen und manchmal auch um unausgesprochene Enttäuschungen.
Der Sohn als Hoffnungsträger – und als Konkurrent
Der Psychotherapeut und Psychoanalytiker Dr. Alexander Cherdron beschreibt in mehreren Veröffentlichungen die besondere Dynamik zwischen Vätern und Söhnen.
Er weist darauf hin, dass Rivalität ein natürlicher Bestandteil dieser Beziehung sein kann. Besonders dann, wenn der Sohn beginnt, erfolgreicher zu werden als sein Vater oder neue Wege einschlägt.¹
Genau das passiert häufig in Familienunternehmen.
Der Vater hat das Unternehmen gegründet, Krisen überstanden, Risiken getragen und auf vieles verzichtet. Der Sohn übernimmt dagegen oft ein funktionierendes Unternehmen mit etablierten Strukturen, modernen Technologien und deutlich besseren Ausgangsbedingungen.
Was auf dem Papier wie eine Erfolgsgeschichte aussieht, kann emotional schwierig werden.
„Mach es besser als ich“ – aber bitte nicht zu gut
Viele Nachfolger berichten von widersprüchlichen Botschaften. Einerseits sollen sie das Unternehmen in die Zukunft führen. Andererseits werden neue Ideen kritisch betrachtet. Digitalisierung wird infrage gestellt, Mitarbeiterentscheidungen werden kommentiert, strategische Veränderungen werden als Angriff auf das Lebenswerk verstanden.
Hinter solchen Konflikten steckt selten böser Wille.
Oft erlebt der Senior-Unternehmer unbewusst, dass seine eigene Bedeutung schwindet. Aus dem Entscheider wird ein Berater. Aus dem Mittelpunkt wird ein Zuschauer. Für viele Unternehmer ist das eine der größten Veränderungen ihres Lebens.
Die Suche nach Anerkennung
Cherdron beschreibt die fehlende Anerkennung des Vaters als eine der zerstörerischsten Dynamiken für viele Söhne. Zahlreiche Männer verbringen ihr Leben damit, auf einen Satz zu warten: "Ich bin stolz auf dich." ¹
Auch in Nachfolgeprozessen zeigt sich dieses Muster.
Der Sohn steigert Umsätze, erschließt neue Märkte oder modernisiert das Unternehmen – und erhält trotzdem hauptsächlich Hinweise darauf, was noch verbessert werden könnte.
Die Folge: Der Nachfolger arbeitet immer mehr, erreicht immer mehr und fühlt sich dennoch nie wirklich angekommen.
Erfolgreiche Nachfolge braucht Loslassen auf beiden Seiten
Eine gelungene Unternehmensnachfolge beginnt nicht mit der Unterschrift beim Notar, sondern mit einer inneren Veränderung.
Der Vater muss akzeptieren, dass sein Sohn seinen eigenen Weg gehen wird. Der Sohn muss akzeptieren, dass er nicht die Kopie seines Vaters sein muss.
Erst wenn beide Seiten diese Freiheit zulassen, entsteht echte Nachfolge.
Dann wird aus dem Kampf um Anerkennung eine Partnerschaft auf Augenhöhe.
Mein Fazit aus fast 10 Jahren Erfahrung
Unternehmensnachfolge ist immer auch Persönlichkeitsentwicklung.
Wer ausschließlich über Gesellschaftsverträge, Steueroptimierung und Unternehmensbewertungen spricht, übersieht häufig den entscheidenden Faktor: die Beziehung zwischen den Menschen.
Dort entscheidet sich oft, ob ein Unternehmen erfolgreich in die nächste Generation übergeht – oder ob alte Konflikte die Zukunft blockieren.
Sie wünschen einen Termin? Nutzen Sie den Kalender auf meiner Webseite zur Buchung eines Erstgesprächs.
¹ Quelle: Dr. med. Alexander Cherdron, Psychotherapeut und Psychoanalytiker, insbesondere Väter und ihre Söhne – Eine besondere Beziehung (Springer Verlag, 2017) sowie Interview in der WELT am Sonntag vom 04.06.2026.



