Höchststand an Insolvenzen in 2025 — was das für Nachfolge, Bewertung und Zukunft bedeutet
- Markus Knauth

- 10. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
In diesem Jahr meldeten allein in Deutschland fast 24.000 Unternehmen Insolvenz an — eine Zahl, die seit mehr als zehn Jahren nicht mehr erreicht wurde.
Für alle, die sich mit Unternehmensnachfolge, Bewertung oder Übergabe beschäftigen: Das ist ein lauter Weckruf. Denn diese Entwicklung zeigt eindrücklich: Stabilität, Zukunftsfähigkeit und planvolle Übergabe sind jetzt wichtiger denn je.
In diesem Beitrag beleuchte ich, was hinter den Zahlen steckt — und warum gerade jetzt eine sorgfältige Nachfolgeplanung unverzichtbar ist.
Die Zahlen: Ein Blick auf die Realität 2025
Laut der aktuellen Statistik der Creditreform könnten bis Ende 2025 rund 23.900 Unternehmen Insolvenz anmelden — das wäre der höchste Wert seit 2014. Der Anstieg beträgt etwa +8,3 % im Vergleich zum Vorjahr. Besonders stark betroffen sind Branchen wie Verkehr & Logistik, Baugewerbe, Gastgewerbe sowie teilweise Handel und Dienstleistung. Auch die Forderungen der Gläubiger summieren sich auf Milliardenbeträge — der wirtschaftliche und soziale Schaden ist beträchtlich.
Diese Entwicklung ist nicht nur eine Statistik — sie trifft Unternehmen, Beschäftigte, Nachfolger und oft ganze Regionen.
Warum steigen die Insolvenzen so stark an?
Die Gründe für diesen dramatischen Anstieg sind vielfältig — viele davon jedoch strukturell.
Kosten- und Liquiditätsdruck: Hohe Energiepreise, gestiegene Personalkosten und steigende Zinsen belasten insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen.
Finanzierungsschwierigkeiten: Verschuldete Unternehmen tun sich zunehmend schwer, Kredite zu bekommen — notwendige Investitionen bleiben aus, oftmals fehlt Spielraum bei Zahlungsschwierigkeiten.
Konjunkturelle Unsicherheit & strukturelle Änderungen: Einige Branchen spüren einen Rückgang der Nachfrage, andere leiden unter Marktverschiebungen oder sinkenden Margen — der Mix aus wirtschaftlicher Krise und strukturellem Wandel zeigt Wirkung.
Verknappung von Kapital und Rückgang der Risikobereitschaft: Gerade bei kleineren Unternehmen fehlt häufig die Reserve, um längerfristige wirtschaftliche Durststrecken zu überstehen.
All das führt dazu, dass viele Unternehmen nicht mehr existieren — nicht wegen eines einzelnen Fehlers, sondern wegen eines nachhaltigen strukturellen Drucks.
Bedeutung für Unternehmensnachfolge und Bewertung
Für Unternehmer, die aktuell über Nachfolge, Verkauf oder Übergabe nachdenken, hat die aktuelle Insolvenzwelle weitreichende Konsequenzen — aber auch große Bedeutung für die Bewertung und Planung:
Marktwert vs. Substanzwert verlieren an Aussagekraft
In einem Umfeld, in dem Stabilität und Zahlungsfähigkeit stark schwanken, zeigt der klassische Ansatz zur Bewertung — über Umsatz, Gewinn, Vermögenswerte — nur bedingt, wie „überlebensfähig“ ein Unternehmen wirklich ist. Es zählt mehr denn je, wie gut das Unternehmen aufgestellt, wie belastbar und krisenfest es ist.
Nachfolge braucht klare Risiko- und Zukunftsanalysen
Wer ein Unternehmen übernimmt, sollte in der Lage sein, zusätzlich zu den heute sichtbaren Zahlen auch Szenarien für Krisen zu planen — Liquiditätsreserven, belastbare Prozesse, Krisenfestigkeit, Diversifizierung.
Die Bedeutung immaterieller Werte nimmt zu
Stammkunden, gute Mitarbeitende, Reputation, stabile Lieferketten, gute Geschäftsbeziehungen — all das kann in turbulenten Zeiten entscheidend sein. Bei der Bewertung und Übergabe sollten diese „weichen Faktoren“ berücksichtigt werden.
Strategische Nachfolge-Planung wird zur Verantwortung
Gerade in diesem Umfeld kann eine wohlüberlegte, professionell begleitete Nachfolge den Unterschied machen: zwischen Scheitern und nachhaltiger Weiterführung, zwischen Verlust und Erhalt eines Lebenswerks.
Was Unternehmer und Nachfolger jetzt tun sollten
Aus der aktuellen Lage lassen sich — neben der Warnung — auch praktische Handlungsempfehlungen ableiten:
Risiko-Check & Krisenresilienz prüfen
Nehmen Sie Ihr Unternehmen kritisch unter die Lupe: Wo sind Schwachstellen? Gibt es Abhängigkeiten? Wie sieht es mit Liquidität und Rücklagen aus?
Unternehmensbewertung neu denken — breiter und realistischer
Neben Substanz- und Ertragswert sollten auch Szenarien-Analysen, Liquiditätsreserven und Widerstandsfähigkeit Teil der Bewertung sein.
Nachfolge/Übergabe frühzeitig planen — statt unter Druck reagieren
In Krisenzeiten sind Nachfolgepläne oft das erste, was durcheinander gerät. Nutzen Sie gerade jetzt die Zeit, um mit Weitblick zu planen.
Stille Werte bewusst dokumentieren und kommunizieren
Loyalität von Mitarbeitenden, Kundenbeziehungen, Know-how, Netzwerke — all das zählt jetzt mehr denn je. Machen Sie diese Werte transparent für potenzielle Nachfolger.
Externe Beratung und Begleitung in Anspruch nehmen
Gerade in unsicheren Zeiten kann externe Expertise helfen, Risiken realistisch einzuschätzen, strategisch zu planen und Fallstricke zu vermeiden.
Zusammenfassung: Die Krise kann zur Warnung — und zur Chance werden
Die Zahlen von 2025 sind alarmierend, aber sie zeigen vor allem eines: Der klassische Weg der Unternehmensbewertung und Nachfolge — allein über Zahlen — reicht heute nicht mehr aus.
Wer langfristig denkt und handelt, muss ganzheitlich planen, vor allem mit Blick auf Finanzen, Strukturen und die weniger greifbaren, aber entscheidenden Werte.
Für Unternehmer, die jetzt die Zukunft regeln wollen — sei es durch Nachfolge, Verkauf oder Übergabe, heißt das: Voraussicht, Weitsicht und bewusste Planung sind jetzt wichtiger als je zuvor.
Wer sein Lebenswerk sichern und eine stabile Zukunft ermöglichen will, sollte nicht warten, bis der Druck steigt — sondern handeln, solange Gestaltung möglich ist.



