Unternehmensverkäufe nehmen zum Jahresende zu – was Unternehmer jetzt beachten sollten
- Markus Knauth

- 22. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Gegen Ende eines Jahres passiert regelmäßig etwas Auffälliges. Die Zahl der Unternehmensverkäufe nimmt spürbar zu.
Gespräche werden intensiver, Verhandlungen beschleunigen sich, Entscheidungen fallen plötzlich schneller als noch im Frühjahr oder Sommer. Für viele Unternehmer wirkt das überraschend – für andere ist es ein bewusst gewählter Zeitpunkt.
Doch warum ist das so? Und welche Chancen, aber auch Risiken entstehen, wenn ein Unternehmensverkauf „zum Jahresende“ geplant oder forciert wird?
Das Jahresende ist für Unternehmer traditionell eine Phase der Bilanz – nicht nur finanziell, sondern auch persönlich.
Viele stellen sich Fragen wie:
• Wo stehe ich mit meinem Unternehmen wirklich?
• Wie belastbar ist das nächste Jahr?
• Will oder kann ich diese Verantwortung noch weitere Jahre tragen?
• Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Verkauf oder eine Übergabe?
Hinzu kommt, dass das abgeschlossene Geschäftsjahre Klarheit schafft. Zahlen liegen vor, Entwicklungen sind sichtbar, Prognosen lassen sich realistischer einschätzen. Das erleichtert Entscheidungen – auch wenn sie schwerfallen.
Dass Unternehmensverkäufe zum Jahresende zunehmen, hat meist mehrere Gründe gleichzeitig:
1. Steuerliche Überlegungen
Ein klar definierter Übergang zum Jahreswechsel kann steuerlich sinnvoll sein – sowohl für Verkäufer als auch für Käufer. Gewinne, Kaufpreiszahlungen, Abschreibungen und Ergebniszuordnungen lassen sich sauber trennen.
2. Planungssicherheit für das neue Jahr
Viele Käufer möchten ein Unternehmen „zum 1. Januar“ übernehmen, um Budgets neu aufzustellen, Strategien umzusetzen und um dioe Führung klar zu übernehmen. Auch Verkäufer empfinden einen sauberen Schnitt oft als entlastend.
3. Psychologischer Effekt
Das Jahresende verstärkt Entscheidungsdruck. Was lange aufgeschoben wurde, soll „endlich geregelt“ werden – bevor ein weiteres Jahr vergeht. Gerade bei Unternehmern, die bereits länger über Verkauf oder Nachfolge nachdenken, wirkt der Jahreswechsel wie ein innerer Startpunkt.
So nachvollziehbar der Wunsch nach Abschluss zum Jahresende ist, Beschleunigung birgt auch Risiken.
In der Praxis zeigt sich häufig, dass Bewertungen zu grob angesetzt, Risiken nicht ausreichend analysiert, stille Werte nicht sauber kommuniziert werden und emotionale Motive sachliche Entscheidungen überlagern.
Gerade wenn Zeitdruck entsteht, besteht die Gefahr, dass ein Verkauf formal korrekt, aber strategisch unklug umgesetzt wird.
Ein Unternehmensverkauf ist keine reine Transaktion – sondern ein tiefgreifender Einschnitt für Mitarbeitende, Kunden, Nachfolger und nicht zuletzt für den Unternehmer, der abgibt buw. ausstiegt, selbst.
Zum Jahresende verändern sich auch die Rahmenbedingungen der Verhandlung:
Käufer wissen um den Zeitdruck: Wer „bis Jahresende verkaufen will“, sendet ein Signal – oft ungewollt. Das kann die eigene Verhandlungsposition schwächen.
Der Fokus verschiebt sich von Potenzial zu Sicherheit: In unsicheren Zeiten achten Käufer stärker auf Stabilität, Liquidität und Risiken als auf Visionen. Das beeinflusst den erzielbaren Kaufpreis.
Stille Werte geraten unter Druck: Kundenbeziehungen, Mitarbeiterbindung oder persönliche Netzwerke lassen sich nicht im Eiltempo erklären oder übertragen – sie brauchen Zeit.
Was sollte also beachtet werden, wenn Sie einen Unternehmensverkauf zum Jahresende in Betracht ziehen, denn einige Punkte sind besonders wichtig:
1. Nicht der Termin darf führen – sondern die Strategie
Der Jahreswechsel kann ein sinnvoller Zeitpunkt sein. Er sollte aber Ergebnis einer guten Planung sein – nicht deren Ersatz.
2. Bewertung realistisch und ganzheitlich ansetzen
Neben Zahlen zählen Stabilität der Strukturen, Qualität des Teams, Abhängigkeiten von Kunden, Lieferanten, Banken etc. und die Zukunftsfähigkeit des Betriebs. Gerade in einem angespannten Marktumfeld ist Ehrlichkeit entscheidend, damit der Deal gelingt und fair über die Bühne gehen kann.
3. Zeit für Übergabe und Kommunikation einplanen
Ein guter Verkauf endet nicht mit der Unterschrift. Die Phase danach entscheidet oft über den nachhaltigen Erfolg, sowohl für Käufer, Mitarbeitende als auch den Ruf des Unternehmers.
4. Externe Begleitung nutzen
Ein neutraler Blick hilft, Tempo aus emotionalen Entscheidungen zu nehmen, Risiken zu erkennen und die eigene Position zu stärken – gerade, wenn der Zeitrahmen enger wird.
Zusammenfassend ergibt sich folgendes Bild:
Das Jahresende ist ein Zeitpunkt – kein Ersatz für Planung. Dass Unternehmensverkäufe zum Jahresende zunehmen, ist kein Zufall. Der Zeitpunkt bietet Struktur, Klarheit und einen natürlichen Übergang. Gleichzeitig erhöht er den Druck – und damit das Risiko von Fehlentscheidungen.
Wer sein Unternehmen verkaufen oder übergeben möchte, sollte den Jahreswechsel nicht als Deadline, sondern als Orientierungspunkt verstehen.
Eine gute Nachfolge oder ein guter Verkauf entsteht nicht durch Geschwindigkeit, sondern durch Weitsicht, Klarheit und saubere Vorbereitung.
Denn am Ende geht es nicht nur um einen Abschluss –sondern um die Zukunft Ihres Lebenswerks.



